April 2013: Hexenstieg Ultratrail

26. April 2013: Hexenstieg Ultratrail – 216 km, 4.500 hm

Unsere Ergebnisse:

Frank Nicklisch: 46:10:00 h

 

Laufbericht von Frank Nicklisch:

Angesagt waren 216km im Harz mit 4500 Höhenmetern in 48 Stunden. Ich habe mich, nachdem ich den Lauf ja bereits letztes Jahr als Helfer kennengelernt habe, nach besten Möglichkeiten vorbereitet. Wetterprognose beobachet, Ausrüstung ausgewählt, Dropbags und Rucksack gepackt, wieder ausgepackt, neu gepackt. Doch die Realität sollte meine Vorstellung weit übersteigen.
Regen war gemeldet. Flächendeckend und dauerhaft. Gut, kenn ich schon, kein Problem. Kalt sollte es werden, mit Schnee auf dem Brocken. Nicht angenehm, aber ok – ich werde mich da durchbeißen.
Der Start bei strahlendem Sonnenschein, 25 Grad sollten es werden, und alle Läufer bei blendender Laune. Die Strecke war erwartungsgemäß anspruchsvoll, mit vielen Steigungen und schönen Trails gespickt. Auf dem Weg zum Brocken zogen die ersten dunklen Wolken auf, der angekündigte Regen stand bevor.
Bereits auf dem Brocken erwartete uns Regen und eisiger Wind. Kurze Rast beim Brockenwirt und beim verlassen des Gebäudes nach wenigen Minuten ein erster Eindruck von dem was noch kommen sollte: Regen, stürmischer Wind, Eiseskälte und dichter Nebel. In tieferen Lagen war das Wetter zwar besser, aber der Regen sollte jetzt für lange Zeit nicht mehr aufhören.
Unser kleines Grüppchen, dass sich auf den letzten Kilometern zusammengefunden hatte rückte enger zusammen und kämpfte gemeinsam gegen das Wetter, die völlig aufgweichte Strecke und die sinkende Motivation. Dauerhaft nasse Schuhe sorgten für erste Blasen. Regelmäßiger Kleidungswechsel an allen Dropbag Punkten konnte das nicht vollständig verhindern. Lästig aber noch unproblematisch.
Gegen 4:00 erreichten wir Thale nach offiziellen 112km und tatsächlichen 128km. Eine kurze Ruhepause mit 1,5h Schlaf, trockene Kleidung, trockene Füße, etwas Compeed und ich war wie neu! Auf gehts, zurück nach Osterode, nur noch 104km.
Draußen immer noch Regen, mal mehr und mal weniger. Bis zum VP Treseburg sogar noch das angenehme Gefühl von warmen und trockenen Füßen. Doch schon auf dem nächsten Abschnitt folgten tiefer Schlamm und sumpfige Wiesenwege – wieder völlig durchnässte Schuhe. Am VP Hasselfelde hatte Simone genug und stieg aus. Unsere Gruppe schrumpfte. Am VP Königshütte konnten wir Marcus nur mit Mühe davon abhalten ebenfalls aufzuzgeben. Ich musste meinen Blasen mit Nadel und Compeed zu Leibe rücken, eine echte Lösung war das leider nicht.
In einem stoischen Rhythmus kämpften wir uns weiter in Richtung VP Rinderstall. Laufen war nur noch abschnittsweise möglich, aber wir konnten ein strammes Tempo marschieren. Im Braunlage noch Pommes mit Majo vom Imbiss, hat gut getan. Am Rinderstall zum letzten Mal trockene Kleidung, wieder Blasen öffnen, meine letzten Compeedvorräte verbrauchen, Schmerz ignorieren, eine Dose Bier für die Moral und weiter Richtung Torfhaus.
Die Windeltreppe und der Anstieg zum Oderteich waren bald überstanden und wir gingen beim letzten Tageslicht auf den Märchenweg. Doch solche Märchen werden zu Alpträumen. Es hatte mittlerweile zu schneien angefangen und der Märchenweg entpuppte sich als Seen- und Schlammlandschaft, in die willkürlich Bäume und Felsbrocken gewürfelt waren. Die folgenden km kosteten viel Kraft und Zeit. Beide Füßen waren bald komplett durchnässt.
In Torfhaus angekommen traf uns die volle Wucht des Wetters. Schnee, eisiger Wind und Temperaturen unter Null Grad trafen auf einen erschöpften, hungrigen, durchnässten und ausgekühlten Körper. Erste Anzeichen einer Unterkühlung ließen nicht lange auf sich warten und kein warmer Ort soweit das Auge reicht. Panik keimt bei mir auf, ich reagiere gereizt auf meine Kameraden, wir müssen weiter, immer in Bewegung bleiben. Unterwegs esse ich etwas und bald fühle ich wie mir wieder wärmer wird. Ich werde wieder ruhiger.
Über die Wolfswarte geht es weiter nach Altenau zum vorletzten VP. Nach kurzer Rast geht es weiter und wir kommen zügig zum letzten VP. Ohne Rast ziehen wir weiter, wir wollen nur noch ins Ziel. In der Morgendämmerung erreichen wir Osterode. Das GPS hat 232km aufgezeichnet. Ich stoppe die Uhr nach 46:10h. Der Regen hat aufgehört, uns steht ein sonniger Tag bevor.