27. August 2016: Karwendelmarsch

27. August 2016: Karwendelmarsch (52 km, 2.281 hm)

Svende Kümper: 10:06:26 h
Claudia Kümper: 10:06:26 h
und Steffi: 10:06:26 h

Copyright Fotos: privat und Eventfoto Werbegams

Lauf über 52 km und 2281 Höhenmetern von Scharnitz nach Pertisau am Achensee

Laufbericht von Claudia Kümper

Am Donnerstag machen wir uns auf den Weg nach Scharnitz, um im Gästehaus Helga (sehr empfehlenswert) unser Appartement zu beziehen. Steffi ist bereits seit einer Woche auf dem dortigen Campingplatz, hat die Bergwelt bereits erkundet und sich akklimatisiert.

Freitagmittag holen wir unsere Startunterlagen ab und stellen bei dieser Gelegenheit schon fest, dass es sich in der Sonne nur kurz gut aushalten lässt. Also ab in den Schatten und erst einmal ein kühles alkoholfreies Bier trinken. Das wiederholen wir im Lauf des Tages noch etliche Male.

Am Nachmittag fahren wir mit zwei Autos nach Pertisau, um den Zielort zu erkunden und beim Anblick der Zielgeraden einen Motivationsschub zu erhalten. Außerdem können wir auf diese Weise ein Auto dort parken, um nach dem Lauf bequem zurück zu fahren.

Die Pastaparty veranstalten wir später im Freien auf dem Campingplatz. Aufregung und Vorfreude steigen. Die Ozonwerte auch. Svende stellt um 22 Uhr fest, dass sie ihre Laufschuhe zu Hause vergessen hat. Nun müssen die Freizeitschuhe (Nike Free) herhalten.

Samstag früh um 6 Uhr, am heißesten Tag des Jahres, startet unser Lauf.

Zunächst geht es auf angenehmen Wegen mit nur leichten Steigungen zum Schafstallboden, unserer ersten Labestation. Noch liegt die Strecke im Schatten, nur auf den entfernten Bergspitzen schimmert schon das Sonnenlicht. Auf den nächsten Kilometern brechen die Sonnenstrahlen durch und beleuchten den Frühnebel auf den Wiesen. Ein unglaublich schöner Anblick! Die Temperaturen sind immer noch angenehm, aber das soll sich bald ändern. Schon auf den letzten Metern Anstieg zum Karwendelhaus sticht die direkte Sonneneinstrahlung. Jetzt sind Laufkappe bzw. Buff-Tücher gefragt, um den Kopf kühl zu halten. Diese werden in jedem Gebirgsbach klatschnass getränkt, wobei es erstaunlich ist, wie schnell sie wieder trocknen. Später am Tag, bei den steilen und mühseligen Anstiegen, hänge ich mir zusätzlich ein nasses Mikrofaserhandtuch über Nacken und Schultern. Trotz dieser externen Kühlung und reichlich Flüssigkeitszufuhr ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr schwitzen kann. Die Haut wird heiß und trocken. Unsere frischen Nordsee-Temperaturen bereiten nur unzureichend auf solche klimatischen Bedingungen vor!

Auf dem Abschnitt zwischen Karwendelhaus und kleinem Ahornboden geht es wunderbar bergab, hier können wir richtig Tempo machen. Spätere Abstiege hingegen sind deutlich anspruchsvoller und unfallträchtiger und ermöglichen nur ein sehr langsames Vorwärtskommen – zumindest für uns Ungeübte (es ist mir in diesem Zusammenhang unbegreiflich, wie die bewundernswerten Streckenrekorde zu schaffen sind).

Nach 35 km erreichen wir die Eng, das Ziel der Kurzdistanz. Hier herrscht Partystimmung und es reizt, länger zu verweilen. 296 Finisher kommen ins Ziel; zusätzlich beenden 88 Langstreckler hier vorzeitig ihr Rennen. Wir sind gut in der Zeit und nehmen uns den nächsten Anstieg vor.

Auf dem Weg zur Binsalm murmel ich „Früher oder später erreicht hier jeder seine Grenze“ vor mich hin, da höre ich von einem schnaufenden Läufer hinter mir „Eher früher“. Diese freundlichen Lichtblicke und die Gewissheit, dass alle hier im gleichen Boot sitzen, macht die Anstrengungen erträglicher. Wir suchen jetzt jeden Strauchschatten. Als wir auf einem besonders steilen Stück eine kurze Verschnaufpause einlegen, muntert uns ein Läufer mit einem „Es ist nicht mehr so weit wie es mal war“ auf. Dieser Spruch wird uns auf den nächsten Kilometern zum geflügelten Wort.

Der letzte und höchste Anstieg der Tour bietet noch einmal eine besondere Herausforderung. Über Felsstufen klettern wir wie Ameisen am Berg in die Höhe. Ein Überholen ist kaum möglich; es hat auch keiner Ambitionen. Nach einer endlos erscheinenden Zeit liegt plötzlich der Gramaisattel vor uns. Die Erleichterung, die wir in diesem Moment verspüren, wird von anderen wohl ähnlich empfunden, denn wir hören hinter uns immer wieder laute Freudenrufe. Bald darauf wartet die nächste Labestation (Gramai Hochlager) auf uns.

Die folgenden 500 Höhenmeter steigen wir in 3 km bergab. Immer wieder kommen wir ins Rutschen, und einmal stürzt Svende auch ziemlich heftig. Die hohe Konzentration auf dieser Strecke blendet alle anderen Gedanken aus. Irgendwann liegt die Gramai Alm vor uns. Nach kurzer Verpflegungspause geht es weiter. Der Weg wird zunehmend besser und wir verfallen wieder in den Laufschritt. An der Falzthurn Alm halten wir uns nur noch ganz kurz auf, denn das Ziel kommt in erreichbare Nähe. Es ist klar, dass wir es nicht mehr unter 10 Stunden schaffen werden, daher laufen wir die restlichen Kilometer in lockerem Tempo. So erreichen wir nach 10:06:26 Stunden das Ziel in Pertisau, bekommen eine wunderschöne Medaille mit eingearbeitetem Bergkristall und suchen uns als erstes ein Schattenplätzchen auf der Wiese.